Novemberleuchten

Der Monat November, mit seinen oft dunklen, kalten und nassen Tagen, wird von nicht wenigen Menschen als eher bedrückend erlebt. Im Jahr 2009 entstand beim Leipziger Bündnis gegen Depression e.V. daher die Idee, mit einem musikalisch-kulturellen Abend dem Herbstblues zu entkommen. Im Rahmen einer Benefizveranstaltung zugunsten der Vereinsarbeit versuchen wir seitdem regelmäßig mit einem wechselnden Motto, den November zum Leuchten zu bringen. Ehrenamtliche sammeln dafür immer wieder spannende und kreative Ideen rund um Musik, Tanz, Theater, Film, Foto, Literatur oder auch Kulinarik. Viel Buntes wird also geboten, aber auch die Öffentlichkeitsarbeit – als eine der wichtigsten Aufgaben unseres Vereins – bekommt an dem Abend Raum für Information. Wir wollen auf die Erkrankung Depression, mögliche Behandlungsmöglichkeiten und andere Aspekte rund um das jeweilige Motto aufmerksam machen.

2017 - Novemberleuchten und Tag des offenen Theaterladens

Zum ersten Mal in unserem neuen Projektbüro/ Theaterladen im Waldstraßenviertel hatten wir in diesem Jahr am 28. November zum Tag des offenen Theaterladens und zum Novemberleuchten eingeladen. Und ca. 50 Besucher waren unserer Einladung gefolgt.

In anheimelnd mit Kerzen und saisonaler Deko geschmücktem Ambiente gab unsere Theaterpädagogin Anja Schwede Interessierten Einblick in die Möglichkeiten, sich im Theaterladen als Darsteller oder Unterstützer vor und hinter den Kulissen einzubringen. Lustig umrahmt wurde es von kleinen Spielen, in dem die Besucher im Kreis aufgestellt zum Beispiel verschiedenen Handlungsaufforderungen zum Umgang mit einem imaginären Ball nachkamen: sozusagen Theater zum Anfassen.
Davor, danach oder auch stattdesen konnte man sich am Lagerfeuer im Hof mit Punsch bei Gesprächen wärmen.
Ein kulinarisches Highlight war das weihnachtliche Kuchenbuffett, für die das Team des Theraterladens gebacken hatte.
Oder man konnte beim SelbsthilfeFilm "Vom Ich zum Wir" ausloten, welche Unterstützung Selbsthilfegruppen präventiv aber auch während nicht so guter Zeiten bieten können.

Am Abend gab Nora Klein bei der Vorstellung ihre Foto-Bildbandes "Mal gut, mehr schlecht" berührende Einsichten in die Seele an Depression erkrankter Menschen. An die Wand projizierte Bilder wirkten zunächst schon mal ganz für sich allein.
Passagen aus sehr persönlichen Texten, die Betroffene während ihrer Mitwirkung am Buch verfasst hatten und die nun ganz zurückhaltend von Nora Klein vorgelesen wurden, sogten mehr als einmal für Gänshautmomente.
Liebvoll aus ihrem Repatoire ausgesuchte und sensibel vorgetragene eigene Songs von Anne Heisig verliehen der Veranstaltung ein wunderbar passendes Ambiente.

Meinen persönlich emotional berührendsten Moment hatte ich, als eine Besucherin hereinkam, ich sie begrüßte und ihr anfingen Tränen zu laufen. Es ging ihr krankheitsbedingt augenscheinlich nicht gut.
Und trotzdem hatte sie sich auf den Weg zu uns gemacht.
Ihren Kindern habe sie das versprochen... mal wieder raus... unter Leute...
Im Verlauf unserer Unterhaltung konnte ich dann sogar ein Lächeln auf ihrem Gesicht sehen. Ihr angetragene Angebote und Möglichkeiten der Betätigung für Menschen mit und ohne Depression haben ihr Hoffnung geben können, dass sie trotz der Krankheit den Anschluss an "draußen" wieder finden kann. Streicheleinheiten für die Seele. So wichtig!
Allein dafür hat sich für mich die Veranstaltung gelohnt.

An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an alle engagierten Mitstreiter des Theater- und Ehrenamtsteams unseres Vereins, die vor, während und nach der Veranstaltung dafür gesorgt haben, diesen Novembertag zum Leuchten zu bringen.

Christine Reuter

Das Leipziger Bündnis gegen Depression e.V. dankt ...

...dem Verband der gesetzlichen Krankenkassen und dem Verband der Ersatzkassen im Freistaat Sachsen, sowie ...